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Das Hundeleben der Juanita Narboni

Roman

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783854206903
Sprache: Deutsch
Umfang: 374 S.
Format (T/L/B): 2.8 x 23 x 15.1 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Die einzige Stimme dieses außergewöhnlichen Romans gehört Juanita Narboni: englischer Pass (da in Gibraltar geboren), italienischer Familienname, jedoch Andalusierin wie ihre Mutter - eine Figur, hinter der unschwer die Mutter des Autors zu erkennen ist. Sie beschreibt den fortschreitenden Niedergang ihres Lebens, den Weg in Einsamkeit und Elend, der zugleich auch der von Tanger ist. Eine Frauenfigur, die zutiefst lächerlich ist, kitschig, erschütternd und berührend, eine Figur von gelegentlicher und außerordentlicher Scharfsichtigkeit, haßerfüllt und dabei voller Liebeserwartungen, voller Fehler und ohne jedes Schuldgefühl. Vázquez organisiert in diesem >Monolog< eine Erzählzeit, die vom 6. Juni 1914 bis in die Anfänge der 60er Jahre reicht, ein halbes Jahrhundert in alltäglichen Momentaufnahmen. Was sich in dem lächerlich-traurigen Leben Juanitas verkörpert, ist gleichzeitig auch das Schicksal einer zu Ende gehenden Kolonialgesellschaft. Juanitas Stimme und Persönlichkeit ist dabei immer von ungebrochener Präsenz, ob sie nun scharfsichtig oder konfus, ob sie von ihrer Kindheit oder von ihrem einsamen Alter, von Hollywood-Filmen oder argentinischen Tangos, ob sie öffentlich oder privat spricht - eine Vitalität, die die Übersetzerin (und Schriftstellerin) Gundi Feyrer beeindruckend ins Deutsche gebracht hat. Und Juanitas Sprache ist die eigentliche Protagonistin des Romans. Ein getreuer Spiegel der kaleidoskopischen Realität Juanitas, ist ihre Sprache originell, derb, drastisch, durchsetzt mit den vielen Sprachen der Bewohner Tangers, in erster Linie dem Yaquetía, dem Spanisch der sephardischen Juden Marokkos, denen Vázquez hier ein Denkmal setzt.

Autorenportrait

Ángel Vázquez, 1929 in Tanger geboren, geht 1965 nach Spanien, wo er 1980 in Madrid stirbt; veröffentlicht zwischen 1955 und 1976 mehrere Erzählungen und drei Romane, für deren ersten er 1962 den angesehenen Planeta-Preis erhält. Vázquez wächst in traumatisierenden Familienverhältnissen auf (seine Kindheit bringt er in einem Käfig zu, von der Decke des Hutgeschäfts seiner Mutter hängend und dem Klatsch der mehrheitlich sephardischen weiblichen Kundschaft zuhörend), besucht nacheinander das italienische, französische und spanische Kolleg, verschlingt die Bibliotheken der Stadt, geht Gelegenheitsarbeiten nach, ist Sekretär eines ungarischen Holocaust-Über-lebenden, Buchhändler in der berühmten Librairie des Colonnes, Zeitungsredakteur. Vázquez (»der einzige große Schriftsteller, den diese Stadt hervorgebracht hat«) in einem Brief: »Ich bin völlig korrupt. Egoist, ohne Glauben an Gott und ohne jedes Vertrauen in mich selbst. Schwul, Alkoholiker, jedweder Droge zugeneigt, Kleptomane ? Jean Genet und Maurice Sachs und ein bißchen Violette Leduc, in Taschenbuchausgabe.«